17 Apr

Blick über den Tellerrand: Agiles Qualitäts-Management

Wir leben heutzutage in einer sich sehr schnell verändernden Welt. Das hat auch Brigitte Zypris jüngst in einem Youtube-Interview bei Gedankentanken bemerkt: “Innovationen verlaufen exponentiell, nicht linear” und “Die Veränderung wird nie wieder so langsam sein wie heute“. In einer so rasanten Welt ist Agilität die Voraussetzung, um leistungs- und überlebensfähig zu bleiben. Da dieses Thema auch im weitesten Sinne uns, aber vor allem unsere Kunden betrifft, haben wir vor Kurzem Herrn Dr. Sommerhoff (Leiter Innovation & Transformation bei der DGQ) gebeten, uns bei einem Talk zu dem Thema “Agiles Qualitäts-Management” mit einem Vortrag zu unterstützen.

 

Den Begriff “Agiles Qualitäts-Management” möchte ich in diesem Blogbeitrag erklären und dabei Bezug auf die Aussagen Dr. Sommerhoffs nehmen. Hierfür zerlege ich den Begriff in seine drei Bestandteile Agilität, Qualität und Management und gehe auf Inhalte unseres Talks ein.

 

Agilität – als Antwort auf immer schnellere Innovationen

Was ist die Frage, wenn Agilität die Antwort ist?
Ganz klar: “Was ist die Basis, um mit ständigen Veränderungen klar zu kommen?”

 

Der rasante Innovationsverlauf hat nicht nur gute Seiten. Die negativen Aspekte betitelte Dr. Sommerhoff bei unserem GUARDUS-Talk am 15.03.2018 mit “diffuser Angst” und “informierter Furcht”. Die Angst/Furcht entsteht, da wir uns bewusst sind, dass wir in jeglicher Hinsicht auf die digitale Technik angewiesen sind. Ohne sie könnten wir uns mittlerweile zum Beispiel weder ernähren noch kleiden. Die Entwicklung künstlicher Intelligenzen ist nicht mehr aufhaltbar. Unsere Gesellschaft leidet an einem stetigen Komplexitätszuwachs. Die daraus resultierende Überforderung zeigt sich verstärkt durch Überarbeitung, Augen- und Rückenprobleme und psychische Probleme wie Burnout und Depression. Auf die berechtigte Frage, wieso sich die Menscheit dies überhaupt antut, liefert Herr Dr. Sommerhoff auch gleich die passende Antwort: Die “begründete Hoffnung”. Die rasanten innovativen Entwicklungen bieten ungeahnte Chancen. Eines von vielen konkreten Beispielen dazu ist die Dinge-Daten-Dinge-Transformation, mit deren Hilfe sich quasi Dinge per Datentransfer verschicken lassen, indem ein 3D-Scanner ein Objekt erfasst – somit in Daten umwandelt, welche dann verschickt und per 3D-Drucker wieder materialisiert werden können.

 

Begriffserklärung der DGQ:

“Agilität ist die Beweglichkeit, die die Unternehmenswelt benötigt, um jede dieser immer schneller aufeinander folgenden Entwicklungsstufen nutzen zu können. Im Organisationskontext definiert die DGQ Agilität als Fähigkeit der Organisation, sehr schnell zu reagieren, sehr schnell zu proagieren und sich immer wieder friktionsarm zu verändern.”

 

Qualität – entsteht durch Interaktion und Vernetzung

Auch im Qualitäts-Management passiert Innovation: Produkte interagieren selbstständig und voll automatisch mit Maschinen. Simulationstechnologien können komplexe Daten mithilfe von Algorithmen auswerten und Prognosen erstellen. Diese machen Fehler sichtbar, bevor sie passieren und ermöglichen Serienfreigaben ohne physische Erstmuster – allein gestützt durch Simulation.

Dies funktioniert allerdings nur mit einer ganzheitlichen, supplychain-übergreifenden Vernetzung und der engen Zusammenarbeit mehrerer Supplier, was in unserer heutigen Unternehmenswelt leider aus Datenkontrollverlust-Angst noch kaum der Fall ist. So entstehen immer noch Rekord-Rückrufzahlen trotz enormer Einschränkungen und Auflagen, obwohl es schon Lösungen geben würde.

 

Management – macht aus Prozess- und Projektorganisation eine agile Organisation

Wir sind uns bisher sicher einig, dass Agilität einen sehr hohen Stellenwert innehaben sollte. Dabei darf die Stabilität allerdings nicht verloren gehen. “Unternehmen müssen die richtige Balance finden zwischen Stabilität (Qualität) und Veränderung (Innovation)”, so Dr. Sommerhoff.

Die Erweiterung der Stabilität um den Faktor Agilität bedeutet Veränderung. Dies löst meist Widerstand und Schockstarre aus. Es gilt also professionell mit Veränderungen umzugehen und Change-Management zu betreiben: Veränderungen müssen offen kommuniziert werden und es sollten möglichst alle Abteilungen und Betroffene in den Entscheidungsprozess involviert werden.

 

 

Wie kann Qualitäts-Management agil gestaltet werden?

 

Die DGQ hat sich zur Beantwortung der Frage an den Grundsätzen der ISO 9001 orientiert und daraus die Grundsätze des agilen QM geschaffen:

 

  • Kundenorientierung wird zu Kundeninteraktion, um schneller auf Bedürfnisse oder Veränderungen in der Kundenbranche reagieren zu können und Beziehungen zu stärken.
  • Hierarchische Führung wird zu dienender Führung, bei der Führungskräfte ihren selbstorganisierten, interdisziplinären Teams Ressourcen, Strukturen und eine Kultur bereitstellen. Dies verspricht eine enorme Reaktionsgeschwindigkeit bei hoher Ergebnisqualität.
  • Einbeziehung von Personen wird zu interdisziplinärer Vernetzung. Es werden also keine Expertenteams gebildet, sondern die Teams ziehen Experten hinzu, wenn diese benötigt werden. Dies erfordert eine starke Vernetzung, die stimuliert und unterstützt werden muss.
  • Der prozessorientierte Ansatz wird zum evolutionären Ansatz, um die Balance zwischen Prozessorientierung, klassischem Projekt-Management und agilem Arbeiten zu halten.
  • Verbesserung soll durch Iteration immer wieder neu durchdacht werden, um noch bessere Lösungen finden zu können.
  • Faktengestützte Entscheidungsfindung wird zu knackpunktbasierter Lösungsfindung.
  • Beziehungs-Management wird zur Menschenzentrierung, um Bedürfnisse besser verstehen zu können (siehe Punkt 1 Kundeninteraktion).

 

Agiles QM by GUARDUS?

Was genau hat denn nun GUARDUS damit zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, denn wir machen keine Dienstleistung für Qualitäts-Management in dem Sinne, sondern entwickeln Software für den Herstelungsprozess. Doch wenn man bedenkt, welche Auswirkungen die Agilisierung des QM auf die dazugehörigen Prozesse und deren Verwaltung hat, wird schnell klar, dass als Gegenstück zu agilem QM eine höchst flexible Software benötigt wird, die sich den ständig ändernden Bedürfnissen jeder Zeit anpassen kann.

 

Als Fazit noch ein Auszug aus dem Manifest für agile Softwareentwicklung:

“Individuen und Interaktionen zählen mehr als Prozesse und Werkzeuge.
Funktionierende Software zählt mehr als umfassende Dokumentation.
Zusammenarbeit mit dem Kunden zählt mehr als Vertragsverhandlung.
Reagieren auf Veränderung zählt mehr als das Befolgen eines Plans.

Das heißt: Obwohl wir die Werte auf der rechten Seite wichtig finden,
schätzen wir die Werte auf der linken Seite höher ein.”

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