29 Jan

Mix Sigma – eine innovative Methode in der Qualitätssicherung

Produktionen stehen zunehmend unter dem Druck, Toleranzen enger zu schrauben und Richtwerte genau einzuhalten. Die Vorgaben hierzu, die immer strenger werden, haben eine Berechtigung: Um hohe Qualität zu liefern, müssen Bauteile so genau nach Maß produziert werden, dass sie zu 100% zu ihren Gegenstücken passen. Die Toleranzen auf einem absoluten Minimum zu halten, bedeutet hohen wirtschaftlichen Aufwand. Ein Beispiel dafür ist ein Bohrloch in einem Bauteil. Neben der Erhöhung des Ausschusses durch die engeren Toleranzen müssen teure Bohrköpfe öfter gewechselt werden. Das kostet Geld – nicht nur für die Bohrköpfe, sondern auch das Rüsten.

Über dieses Thema hat sich auch der Leuchtmittel-Hersteller Osram Gedanken gemacht und stellte bei einer Diskussionsrunde, welche von der DGQ (Deutsche Gesellschaft für Qualität) moderiert wurde, die Idee eines Lösungsweges vor: Anstatt die Toleranzen zu minimieren, könnte man mit Hilfe von fertigungsbegleitenden Daten zueinander passende Bauteile identifizieren und verpaaren.

 

Zu diesem Erfahrungsaustausch waren Spezialisten diverser Unternehmen eingeladen, darunter der MES-Spezialist GUARDUS, um das Konzept von allen Seiten zu durchdenken. Denn was sich einfach anhört und Vorteile bietet, hat natürlich auch seine Kehrseiten. Kritische Punkte, die diskutiert wurden, sind unter anderem:

 

  • Die Teile müssen serialisiert und rückverfolgbar sein.
  • Die logistischen Aufwände werden größer, da nicht jedes Bauteil gleich weiterverarbeitet werden kann, sondern unter Umständen auf das passende Gegenstück warten muss.
  • Es darf je Charge höchstens eine bestimmte Menge an Teilen ausfallen, sonst funktioniert die Paarungsberechnung nicht mehr.
  • Es darf keiner der Lieferanten „besser“ werden, denn die Streuung muss immer gleich sein.
  • Es bleiben immer Teile übrig, weil die Streuungen nicht immer gleich sind.
  • Wie erhöht sich der Aufwand bei mehreren Teilen mit mehreren Dimensionen?
  • Wie hoch ist der Rechenaufwand? – Er steigt mit der Anzahl der Dimensionen.
  • Messunsicherheiten, Mittelwert-Abweichungen, Trend- und Sprungprozesse sind zu berücksichtigen.
  • Lassen sich Automotive-Hersteller darauf ein, entgegen der Normforderungen die Toleranzen zu erweitern?
  • Die Konstrukteure müssen umdenken.
  • Wie werden im Rahmen späterer Wartungen Austauschteile organisiert?

 

Es sind also noch viele Fragen offen und viele Probleme zu lösen. Einige Produkte sind über dieses Verfahren aktuell (noch) nicht abbildbar. Die Idee ist es trotzdem wert, diskutiert und ausprobiert zu werden. Eventuell lassen sich die beiden Verfahren – also die Verringerung der Streuung und die Paarung geeigneter Teile – kombinieren. Vielleicht lassen sich auch Rechenmodelle dazu verwendet, die maximal zulässige Streuung zu ermitteln, die eine wirtschaftliche Produktion noch erlaubt.

 

Einige unserer Kunden beschäftigen sich momentan schon mit dieser Problematik und sind, wie auch wir selbst, an einem regen Erfahrungsaustausch interessiert. Unsere Intention ist es nun, gleichgesinnte Unternehmen zu finden, mit denen in Zusammenarbeit mit Osram und der DGQ ein Proof of Concept realisiert und Best Practice Beispiele erarbeitet werden können. Nehmen Sie bei Interesse und weiteren Ideen gerne Kontakt zu uns auf.

 

Ansprechpartner GUARDUS Solutions AG: Ulrich Poblotzki; upoblotzki@guardus.de

 

Wir werden Neuigkeiten und Entwicklungen diesbezüglich natürlich gerne mit Ihnen hier auf unserem Blog teilen.

 

Mix Sigma – eine innovative Methode in der Qualitätssicherung

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